Magazinchen: Daniela Krause empfiehlt

Buchcover mit Zeichnung von zwei Personen, die sich schlagen.

Triggerwarnung! In diesem Kinderbuch geht es um Gewalt. Wir sehen Blut, abgetrennte Gliedmaßen, sogar einen gespaltenen Schädel. Aber genau darum geht es eben auf diesen bunt gestalteten Seiten: um Gewalt in all ihren Facetten, mit all ihren hässlichen Fratzen. Darum, wie sie entsteht, dass es sie auch schon in grauer Vorzeit gab und welche Auswirkungen sie auf unser Zusammenleben in der heutigen Gesellschaft haben kann. 

Warum sollte man mit Kindern ein Buch anschauen, in dem Gewalt so realistisch abgebildet ist? Ganz einfach: Gewalt ist ein weltweites Problem, das uns von der Wiege bis zum Rollator verfolgt – und das nicht allein in den Medien. Jede und jeder von uns kommt in seinem Leben mehrfach selbst damit in Berührung. Es muss nicht einmal körperliche Gewalt sein, auch verbale Angriffe gelten als eine Form von Gewalt. Was gibt es da zu beschönigen? Nichts!

Gerade deshalb ist Ich mach dich platt! Das Kinderbuch von der Gewalt eine Empfehlung. Es ist sicher nicht für jeden etwas. Es ist nichts für Zartbesaitete, die ihren Nachwuchs lieber behutsam an diese Thematik heranführen wollen. Es ist nichts zum einmal Durchblättern und wieder Weglegen. Es ist vielmehr etwas für diejenigen, die offen, ehrlich und geradeheraus mit ihren Kindern über Gewalt ins Gespräch kommen und sich damit näher beschäftigen möchten.

Obwohl die schwedische Autorin Pernilla Stalfelt in ihrem Buch sehr deutliche Bilder und klare Worte findet, gelingt es ihr, diese so schwere Kost nicht nur überraschend bekömmlich, sondern auch mit einer Prise Humor im comichaften Stil auf den Tisch zu bringen. Muss Gewalt manchmal sein? Ja, durchaus. Beispielsweise, bevor eine Mücke zusticht – oder gegen das viel zu fest zugedrehte Marmeladenglas, bevor der Pfannkuchen kalt wird. Pernilla Stalfelt zeigt, dass Gewalt nicht nur zwischen Kindern oder Erwachsenen in Folge eines Streits ausbrechen kann. Im Zusammenhang mit sportlichen Aktivitäten geht sie auf „geordnete Gewalt“ ein. Sie beschreibt die Umweltzerstörung, die nichts anderes ist als Gewalt gegen die Erde. Und sie erklärt Kriege sowie ihre verheerenden Folgen für Mensch, Tier und Umwelt.

Dann sind da – als wohltuender Kontrast zu den Gewaltdarstellungen – Bilder, die Mut machen, die dazu anregen, das eigene Handeln und Verhalten in bestimmten Situationen zu hinterfragen. So erklärt die Autorin anschaulich das Gegenteil von Gewalt: „Wenn man jemand die Hand hält, wenn man etwas verschenkt, von dem man reichlich hat, wenn man einen Kompromiss schließt“ oder dem anderen ganz selbstlos die helfende Hand reicht.  

Am Ende stellt Pernilla Stalfelt die Frage: „Gewalt – muss das wirklich sein?“ und findet darauf eine klare Antwort: Verhandeln ist besser. Reden, zuhören, verstehen. Sie gibt den Denkanstoß, dass man versuchen kann, Gewalt zu beenden, dass man gegen Gewalt und Krieg demonstrieren und protestieren kann. Der wichtigste Satz jedoch steht am Schluss und kann als Grundlage für eine lebendige Diskussion genutzt werden: „Man kann ja mal bei sich selbst anfangen…“  

ICH MACH DICH PLATT! DAS KINDERBUCH VON DER GEWALT | Pernilla Stalfelt | BILDERBUCH Moritz Verlag | Frankfurt am Main 2008 | 32 S. | € 12,00 | ab 6 Jahren

Alle Inhalte für Kinder findest du unter der Rubrik Kids in unserem Magazinchen.


Daniela Krause
© Jens Krause

Daniala Krause 

wurde 1984 geboren, ist Journalistin, ehemalige Kinderbuch-Bloggerin und waschechte Bremerin. Im Emons Verlag ist im Oktober 2023 ihr erstes Buch 111 Orte für Kinder in und um Bremen, die man gesehen haben muss erschienen. Es richtet sich an Familien, die in Bremen und der näheren Umgebung etwas unternehmen und erleben möchten.

Zum Autorinnenprofil von Daniela Krause

Weiterlesen:

Satzwende: Mohamed Amjahid (1/2)

Eine psychisch kranke Person verletzt sich selbst oder Andere. Wie begegnen wir dieser Person? Mit roher Gegengewalt? Oder lohnt es nicht, zu differenzieren und die Menschlichkeit in den Mittelpunkt zu stellen? Diese Frage stellt sich Mohamed Amjahid in der Satzwende.