Studierende der HfK starten Comic-Projekt "Panels"

Die Bremer Comic-Landschaft hat Zuwachs bekommen: 2024 haben Studierende der HfK das Comicmagazin Panels ins Leben gerufen und die erste Ausgabe veröffentlicht. Bisher sind zwei Ausgaben erschienen, an Ausgabe drei wird aktuell auf Hochtouren gearbeitet. Pauline Adamek hat mit Henrik Knüppel gesprochen, der zum Gründungsteam von Panels gehört und den Heften als Autor und Illustrator Leben einhaucht.

Hierbei handelt es sich um das Cover der ersten Ausgabe von "Panels".

Panels steckt ja noch in den Kinderschuhen, zwei Ausgaben sind bisher erschienen, die Dritte steht kurz vor der Veröffentlichung. Wie kam es zur Gründung eures Kollektivs und zur Entscheidung, ein eigenes Comicmagazin herausbringen zu wollen? 

Ich wollte schon ganz lange mal in einem regelmäßig erscheinenden Comicmagazin auftauchen. Außerdem brauche ich ab und zu einen kleinen Tritt in den Hintern, um meine freien Projekte auch fertig zu bekommen. Beides zusammen geworfen, noch ein paar Freund*innen gefragt, ob sie auch Lust darauf hätten, so was zu machen, und Panels war geboren.

Ihr seid ein Bremer Comicmagazin, eure Vorworte und eure Website ist auf Deutsch, eure Comics sind aber auf Englisch verfasst. Warum?

Ehrlich gesagt haben wir da am Anfang nicht so ganz genau drüber nachgedacht. Die meisten von uns sprechen beide Sprachen relativ fließend, daher sind in beiden Ausgaben sowohl deutschsprachige als auch englischsprachige Comics vorhanden. Wir wollten so wenig wie nötig in die Comics eingreifen, und so haben wir sie zuerst in der Sprache gelassen, in der sie ursprünglich verfasst wurden. Die generelle Kommunikation des Heftes ist aufgrund der Lokalisierung in Bremen und der Umgebung in Deutsch. 

Für Ausgabe 3 planen wir, direkt zwei Versionen zu machen, um auch für Menschen lesbar zu sein, die nur eine der beiden Sprachen verstehen. Eine, in der alle Comics in Deutsch sind, die dann auch gedruckt wird und eine in Englisch, die digital erwerbbar sein wird. 

Euer Gründungsteam besteht ja aus Studierenden der HfK. Kann jede*r bei euch mitmachen oder erwartet ihr bestimmte Voraussetzungen?

Fast alle hatten oder haben einen HfK Background, das stimmt. Das liegt daran, dass wir uns bis jetzt über das Wer-kennt-wen-Prinzip miteinander vernetzt haben. In Runde drei sind jetzt erstmals Menschen dabei, die ich persönlich außerhalb von Panels gar nicht kennen würde.

Langfristig müssen wir uns wohl Gedanken machen, wie wir zusammen auswählen wollen, wessen Arbeiten in die nächste Ausgabe kommen. Bis jetzt hat sich das immer recht organisch ergeben. Voraussetzungen wie einen bestimmten Abschluss oder anderweitigen Background gibt es aber nicht und wird es auch nicht geben. Nicht jede*r hat das Glück oder die Chance, einen akademischen Abschluss zu erlangen oder anstreben zu können. Und ein bestimmter Abschluss sagt auch nicht zwingend etwas darüber aus, was du kannst oder nicht kannst.

Eine Einschränkung macht ihr, und das macht ihr auch sehr deutlich: Ihr wollt auf gar keinen Fall Comics in eure Hefte aufnehmen, die mit KI generiert wurden. Auf der letzten Seite eurer beiden Ausgabe steht der folgende Satz: “Art made by no one means nothing." Warum steht ihr dem Einsatz von KI so kritisch gegenüber?

Kurz: Er verschärft viele Ungerechtigkeiten, die es eh schon gibt, ist sau gefährlich für unsere Demokratie und bietet keinen großen Mehrwert außer, dass die, die eh schon viel zu viel haben, noch mehr bekommen.

Die massive Masse an Daten, mit der die großen generativen KI-Systeme entwickelt wurden, wurde ohne Erlaubnis oder Bezahlung der Kulturschaffenden dahinter verwendet. Mit dieser geklauten Arbeit wurden Bild-, Text- und Tongeneratoren trainiert, die jetzt wiederum darauf aus sind, Geld in die Taschen der Menschen zu schaufeln, die andere für deren Programmierung bezahlt haben. Diejenigen, die dafür mit Abstand am meisten gearbeitet haben, und zwar die Kulturschaffenden der Trainingsdaten, sehen bis heute keinen Cent. Diese Systeme wären bei Weitem nicht so „gut“ wie sie sind, wenn man die Kreativen gefragt hätte, ob sie ihre Daten dafür geben würden. Denn die allermeisten hätten etwas dagegen gehabt, da bin ich mir sehr sicher.

Das Bild zeigt Hendrik Knüppel.
© Hannah Lowitz

Für viele generative KI-Systeme wurden Filter entwickelt, die rassistische, misogyne oder anderweitig menschenverachtende Inhalte verhindern sollen. Diese Filter sind in Gegenden der Welt trainiert worden, in denen Arbeitsrecht keine große Rolle spielt. Menschen müssen sich jeden Tag für einen Hungerlohn das schlimmste Zeug anschauen, um die Filter darauf zu trainieren, solche Inhalte nicht auszugeben. Das alles ohne vernünftige Pausen, psychologische Betreuung oder sonstige Fürsorge. Einige Organisationen, wie beispielsweise Stable Diffusion, entscheiden sich bewusst gegen die Verwendung dieser Filter und nehmen somit die Vervielfältigung menschenfeindlicher Inhalte in Kauf.


„Diejenigen, die dafür mit Abstand am meisten gearbeitet haben, und zwar die Kulturschaffenden der Trainingsdaten, sehen bis heute keinen Cent.“


Generative KI macht es noch schwerer als sowieso schon, Propaganda und Falschbehauptungen von belegbaren Fakten zu unterscheiden. Und das in einer Zeit, in der wir alle uns sowieso schon so unsicher fühlen.

Generative KI macht nichts Neues. Aus den absurden Mengen an Trainingsdaten werden Wahrscheinlichkeiten errechnet, welcher Pixel, welcher Buchstabe, welche Note als nächstes kommt. Und die Systeme sind auch weiter auf kreativen, menschlichen Input angewiesen, um nicht immer weiter abzuflachen.

Der Wert von Kulturgütern entspringt dem Menschen dahinter. Bei einem emotionalen Song passiert so viel in mir als Hörendem. Ich fühle mich den Komponist:innen verbunden, weil sie ausdrücken können, was ich auch fühle, bewundere ihr Können, spüre die viele Arbeit, die in den Song geflossen ist. Ich denke darüber nach, wie bestimmte Instrumente gespielt sein mögen. Er ist von Menschen gemacht worden und so viel von diesen Menschen steckt da noch drin. All das fällt weg, wenn der Song Ergebnis eines Prompts ist. Generierte Inhalte sind über ihren Effekt hinaus wertlos. Kunst und Kultur ist Kommunikation zwischen Schaffendem und Rezipierendem. Das gilt für Bilder, Texte, Musik… alles.

Genrative KI hat auch viele praktische Aspekte, aber aus Kulturellem und Zwischenmenschlichem sollten wir sie raushalten.

Das Cover der zweiten Ausgabe von Panels zeigt Tiere im Wasser.

Eure Comics beschäftigen sich mit den verschiedensten Themen und greifen aktuelle Diskurse auf. Um bei eurem ersten Heft zu bleiben: Es geht um Social Media, um psychiatrische Diagnosen, um die romantische Liebe zwischen zwei Frauen. Würdest du sagen, eure Comics sind immer auch politisch?

Ich glaube man kommt nicht drum herum, dass alles, was man tut, solange man nicht alleine im Wald lebt, irgendwie politisch ist. (Aber selbst das ist ja auch irgendwie ein politisches Statement.) Von daher ist alles in unserem Comic auf jeden Fall irgendwie politisch. Es gibt aber durchaus auch Comics in Panels, die gezielt politische Inhalte behandeln oder Stellung zu aktuellen Diskursen beziehen. Stronger Together kommt mir da als erstes in den Sinn (auch im Kontext der letzten Frage).

Solange Queer sein und Neurodiversität im gesellschaftlichen Diskurs politisiert werden, werden wir wohl auch nicht darum herum kommen, explizit politisch zu sein, denn die Mitglieder des Kollektivs, die queer und/oder neurodivers sind, können sich das ja nicht aussuchen.

Es gibt ja bereits seit 1989 das Bremer Comicmagazin PANEL. Besteht eine Verbindung zwischen euch und PANEL?  

Ich muss zu meiner Schande gestehen, dass ich, bis wir mit unserem Panels angefangen haben, trotz meinem Comic-Interesse und meinen Jahren in Bremen noch nie von PANEL gehört hatte. Tatsächlich sind alle Verbindungen wie Name, Art des Mediums und Stadt komplett zufällig. Wahrscheinlich kommt das auch daher, dass wir alle noch relativ jung sind und die letzten Ausgabe von PANEL schon ein paar Jahre her ist. 

Was macht deiner Meinung nach einen guten Comic aus?

Oje :D Ich kann da selbstverständlich nur für mich sprechen. Ich finde es spannend, wenn die einzelnen Elemente des Comics in einer Weise miteinander verwoben sind, dass rübergebracht werden kann, was rübergebracht werden will. Ich glaube eine andere Definition wäre eventuell spezifischer, aber würde Comics ausschließen, die ich auch interessant finde. 

Was können wir in Zukunft noch von Panels erwarten? 

Ich hoffe noch viele weitere Ausgaben! Darin dann natürlich auch die Fortsetzungen der mehrteiligen Geschichten, die in 1 und 2 schon angefangen haben. Diverse neue Comics und Geschichten aller möglichen Genres, Thematiken oder Stilistiken. Wir überlegen gerade, ob wir es schaffen können, ein Abo einzurichten. Einen Onlineshop gibt es ja jetzt schon.

Panels

ist ein fortlaufendes kollaboratives Comicmagazin, das im Eigenverlag veröffentlicht wird. Ins Leben gerufen wurde Panels 2024 von Studierenden der HfK. Wer schreibt, zeichnet, malt, koloriert, kollagiert oder generell Lust hat, an Panels mitzuwirken, ist herzlich eingeladen, sich unter folgender Mailadresse zu melden: panelscomic[at]proton.me

Zur Website von Panels geht es hier entlang

 

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