Lesetipp: „Franz - Schwul unterm Hakenkreuz“

Cover Franz Schwul unterm Hakenkreuz

In Franz – Schwul unterm Hakenkreuz (Kremayr & Scheriau 2021) rollt Jürgen Pettinger das Leben des Franz Doms auf, der unter den Nationalsozialisten als Homosexueller inhaftiert und hingerichtet wurde. „In Franz Doms kulminierten alle abwertenden Vorstellungen, die die Nationalsozialisten von Homosexuellen hatten“, schreibt Andreas Brunner im Vorwort – er wurde als „gefährlicher Gewohnheitsverbrecher“ verurteilt. Nach einer intensiven Recherche hat Pettinger den Stoff als Roman verarbeitet, der mit zahlreichen Zitaten aus den Akten gespickt ist.

Franz ist alles andere als ein Wohlfühlroman, besticht eher durch die fundierten Nachforschungen und die erschütternde Geschichte als durch literarische Raffinesse, aber das ist auch nicht der Anspruch. Trotzdem gelingt es Jürgen Pettinger, spannend zu erzählen: „Näherkommende Schritte, das Klirren eines Schlüsselbundes – bei jedem Geräusch draußen auf dem Gang rutscht Franz Doms das Herz in die Hose. Werden sie ihn heute holen?“ Eine Lektüre, die erschüttert und die aus der Komfortzone zwingt!

FRANZ – SCHWUL UNTERM HAKENKREUZ | Jürgen Pettinger | ROMAN Kremayr & Scheriau | Wien 2021 | 192 S. | €22,00


Annika Depping

ist seit einem Praktikum im Sommer 2014 im Team des Literaturhauses Bremen. Inzwischen leitet sie die Textredaktion des Literaturmagazins. Sie hat in Bremen Germanistik mit Schwerpunkt Literaturwissenschaften studiert und liest am liebsten in ihrem Schrebergarten. Über ihre Leseeindrücke schreibt sie auch im Online-Magazin Bücherstadt Kurier.

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